Astrofotografie unter Flutlicht: Der DWARF-3 im Härtetest mitten in der Stadt

Jozsef Kovacs, 4. September 2025

Das letzte Augustwochenende 2025 war traumhaft klar und ich nutzte die Gelegenheit, mit meinem DWARF-3 Smart-Teleskop in den Westlichen Wäldern bei Augsburg einen halbwegs dunklen Himmel zu genießen. Doch was tun, wenn die Bedingungen alles andere als ideal sind? An einem Donnerstagabend, dem 4. September 2025, kurz vor Mitternacht, stand der zunehmende Halbmond noch hell am Himmel. Da ich am nächsten Tag früh aufstehen musste, hatte ich weder Zeit noch Lust, weit zu fahren. Also beschloss ich, den DWARF-3 unter den denkbar schlechtesten Bedingungen zu testen: in meinem Schrebergarten.

Mein Garten liegt in Augsburg Lechhausen, mitten unter einem Bortle-Himmel der Klasse 8 – also typischer Stadthimmel. Um die Sache noch schwieriger zu machen, steht nur etwa fünf Meter neben der Wiese eine helle Straßenlaterne, die lediglich von einem belaubten Fliederbaum leicht abgeschattet wird. Mein Beobachtungsfenster ist stark eingeschränkt: Zwischen Hecke und Terrassendach habe ich in Ost-West-Richtung nur einen Himmelsausschnitt von circa 50 Grad. Nach Norden und Süden begrenzen hohe Bäume und mehrstöckige Wohnhäuser die Sicht. Kurzum: absolut keine guten astronomischen Bedingungen, aber eine perfekte Gelegenheit, die Grenzen des DWARF-3 auszuloten.

Als Zubehör kam das passende Ministativ von DwarfLab zum Einsatz, von dessen Qualität ich für diesen günstigen Preis immer noch begeistert bin. Bei Amazon gibt es deutlich wackeligere China-Stative, die kaum billiger sind. Der Fluid-Kopf läuft schön stabil und flüssig und sorgt für eine solide Basis.

Ich stellte den DWARF-3 also in den „Schatten“ des Fliederbaumes und richtete ihn grob nach Norden aus. Mein Ziel für diese Nacht: Teile des Cirrusnebels, der fast im Zenit stand. Da ich mit dem Dualband-Filter länger belichten wollte, um das Restlicht zu unterdrücken, musste das Teleskop im EQ-Modus betrieben werden. Die dafür notwendige Einnordung ist eine Routine, die keine zwei Minuten dauert. Der DWARF macht ein Bild des Himmelsausschnitts und meldet in der App, in welche Richtung und um wie viel Grad ich den Neiger verstellen soll. Nach zwei bis drei kurzen Iterationen war dieser Schritt bereits erledigt.

Bei den Aufnahmeparametern entschied ich mich für Einzelbelichtungen von jeweils 45 Sekunden mit dem Dualband-Filter. DwarfLab empfiehlt einen Gain-Wert von 60, ich wählte jedoch 100, da der Cirrusnebel sehr kontrastarm ist und ich schneller ein helleres Bild erhalten wollte. Da für diese Belichtungswerte noch keine Dark-Frames auf meinem DWARF-3 gespeichert waren, holte ich dies schnell nach. Ich setzte den ND5-Sonnenfilter auf, drehte das Teleskop vom Streulicht weg und nahm acht Minuten lang zehn Dark-Frames à 45 Sekunden auf, aus denen die Software dann einen Durchschnittswert berechnete.

Nach diesen Vorbereitungen wählte ich in der App den gewünschten Himmelsausschnitt aus – aufgrund der begrenzten Zeit verzichtete ich auf ein Mosaik. Das automatische GoTo und das Objekt-Tracking waren in etwa einer Minute erledigt, und ich startete die Belichtungsserie. Während der DWARF-3 seine Arbeit machte, verfolgte ich ab und an das Live-Stacking am Smartphone, trank gemütlich ein Bier und hörte einen Podcast.

Nach etwa zwei Stunden brach ich die Belichtung ab, da der Cirrusnebel bereits in die Nähe meines Terrassendachs gewandert war. Von den über 160 aufgenommenen Einzelbildern befand die DWARF-Software circa 130 als gut genug, um sie zu einem Gesamtbild zu stacken. Der Himmelshintergrund dieses Rohbildes war noch recht grünstichig. Ein Klick auf die automatische Bearbeitung im "Stellar Studio", einem Teil der DWARF-Software, genügte jedoch, um das unten gezeigte Endergebnis zu erzeugen. Für solch miserable Bedingungen ist das Resultat absolut zufriedenstellend, auch wenn die Rotanteile im Bild etwas schwach ausfallen. Dafür, dass ich an diesem Abend eigentlich gar keine Astronomie hätte betreiben können, ist dieses Bild – in meinen Augen – ein echter Gewinn.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Batterie des DWARF-3 war nach dieser Aktion immer noch mehr als halb voll. Während die Wiese und das Stativ vom Tau klitschnass waren, blieb das Smart-Teleskop selbst praktisch trocken. Bei einer Außentemperatur von circa 10 °C zeigte das Gerät eine Betriebstemperatur von etwa 25 °C an, wodurch auch die Objektive nicht beschlagen waren.

Das zweite Bild zeigt mein DWARF-3 Teleskop auf dem Stativ in meinem Garten. Es wurde während der Belichtungssession mit meinem Smartphone (12 Sekunden Belichtungszeit, Helligkeit auf Maximum) aufgenommen. Die Lichtflecken auf den Büschen und Bäumen stammen von der erwähnten Straßenlaterne, die nur fünf Meter entfernt steht und lediglich durch einen Fliederbaum abgeschirmt wird. Dies verdeutlicht die extreme Lichtverschmutzung, mit der das Teleskop fertigwerden musste.

Cirrusnebel mit einem DWARF-3 Smart Teleskop aufgenommen
Dwarf-3 Smart-Teleskop im Garten bei Nacht